Abgeordnetenkolumne von PStS Annette Widmann-Mauz MdB vom 31. August 2012
Bald werden Sie Post von Ihrer Krankenkasse bekommen, mit der Sie umfassend zur Organspende informiert und gebeten werden, eine eigene Entscheidung dazu zu treffen. Eine Organspende ist ein Geschenk, das Ergebnis einer höchstpersönlichen Willenserklärung, die über das eigene Leben hinausreicht. Keiner darf dies erzwingen oder als selbstverständlich voraussetzen. Bischof Wolfgang Huber hat es so beschrieben: „In seiner Endlichkeit ist der Mensch mit einer unendlichen Würde begabt.“ Wer einen Teil von sich gibt, muss sich darauf verlassen können, dass damit würdevoll umgegangen wird. Organspende – eine Sache des Vertrauens.
Was wir aus Göttingen und Regensburg hören, macht auch mich fassungslos und tief betroffen. Gerade wenn ich an die Menschen denke, die seit vielen Jahren auf ein lebensrettendes Organ warten und darauf vertrauen, dass es bei der Zuteilung und Transplantation mit rechten Dingen zugeht. Jeder Patient weiß, wie wichtig gerade dieses Grundvertrauen in die Ärzte und die Medizin ist. Gerade weil es keine Garantien auf Heilung gibt, weil es bei Organen um ein so knappes Gut und um hochkomplexe medizinische Vorgänge geht, brauchen Patienten das sichere Gefühl, dass es um sie statt um Profit geht. Manipulationen und Skrupellosigkeit anderen gegenüber zerstört Vertrauen. Misstrauen setzt sich fest und es braucht lange, bis es wieder aus den Köpfen verschwunden ist. Zu Beginn dieser Woche habe ich mit dem Bundesminister, den Ländern und den Verantwortlichen im Transplantationsgeschehen über Konsequenzen aus den Vorfällen gesprochen und Maßnahmen wurden vereinbart: Mehr Transparenz im Auswahl- und Transplantationsverfahren, bessere Kontrollen vor Ort und wirksamere Sanktionen bei Verstößen. Das reicht von interdisziplinären Transplantationskonferenzen, unangemeldeten Inspektionen, mehr staatliche Aufsicht, Abschaffung von Bonuszahlungen, Konsequenzen im Berufsrecht sowie Entzug der Transplantationsberechtigung. Bessere Daten über Spender, Patienten und Transplantationsverfahren sorgen für mehr Transparenz bei der Organverteilung und bessere Erfolgsaussichten für Patienten.
Doch ob es ausreicht, verloren gegangenes Vertrauen wieder zurück zu gewinnen, bleibt offen. Das ist ein langsamer und mühsamer Prozess. Ich bitte Sie: Wenn die Post bei Ihnen ankommt, legen Sie sie nicht beiseite. Tausende, schwerkranke Menschen warten noch immer und sie hoffen.