06.07.2012 Eltern brauchen Sicherheit

Abgeordnetenkolumne von PStS Annette Widmann-Mauz MdB

Julia Christina, Victoria Rose und Ava-Talisa haben vor Kurzem das Licht der Welt erblickt. Welch ein Geschenk! Über die Geburten dürfen sich aber nicht nur ihre Eltern freuen. Denn 2011 ist die Geburtenzahl weiter zurückgegangen – und zwar um 2,2 Prozent. Ein Trend, der uns bei aller Freude um den Nachwuchs im Familien- oder Freundeskreis nachdenklich stimmen sollte.
Bietet unser Land nicht ausreichend finanzielle und berufliche Sicherheit zur Familiengründung? Steht den Eltern kein angemessenes Betreuungsangebot zur Verfügung? Dies sind Fragen, die die jungen Paare mit Kinderwunsch beschäftigen.
Die bis zu 14-monatige Elternzeit mit anteiligem Lohnersatzanspruch gehört deshalb zu den besten Maßnahmen, die die Familienpolitik in Berlin für junge Eltern zuwege gebracht hat. Das Elterngeld erlaubt, sich in den ersten Lebensmonaten bewusst um das Kind zu kümmern und diese Zeit ohne existenielle Ängste zu erleben. Hier bei uns sind die Lebenshaltungskosten hoch. Junge Paare sind oftmals auf zwei Einkommen angewiesen. Deshalb ist das Elterngeld ein wichtiger Faktor, der bei der Zukunftsplanung mehr Sicherheit gibt.
Dass die Leistungen länger ausbezahlt werden, wenn beide Partner Elternzeit in Anspruch nehmen, halte ich für richtig. Nicht nur, weil dadurch das Bewusstsein der partnerschaftlichen Verantwortung gegenüber dem Kind in den Mittelpunkt rückt, sondern weil dadurch in unserer Gesellschaft das Bewusstsein geschärft wird, dass Kinder nicht nur ihre Mütter, sondern auch ihre Väter brauchen. Dass diese sich die Zeit jetzt auch nehmen, belegen die Zahlen: Seit Einführung des Elterngeldes ist der Anteil der Väter, die sich mindestens zwei Monate an der Kinderbetreuung beteiligen, permanent gestiegen und liegt derzeit im Bundesschnitt bei 25 Prozent!
Eltern brauchen finanzielle und Planungssicherheit. Um Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, brauchen sie eine verlässliche Betreuungsstruktur. Der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz ab August 2013 und die nochmalige Aufstockung der Bundesmittel um 580 Mio. auf insg. 4,6 Mrd. Euro kommen gerade zur rechten Zeit!
Gleichzeitig muss unser Respekt auch den Frauen und Männern gehören, die sich bewusst ausschließlich für die Betreuung in der Familie entscheiden. Kindererziehungszeiten müssen sich meiner Meinung nach vor allem in der Rente besser widerspiegeln. Dafür trete ich ein – heute und in Zukunft!
 

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